Ostheimer Zeitung
Amtliches Veröffentlichungsorgan der Stadt
Ostheim v. d. Rhön und staatlicher Behörden
Wappen der Stadt Ostheim vor der Rhön
Die Rhön Nachrichten- und Heimatzeitung
im Biosphärenreservat Rhön
Impressum Freitag, 11. Oktober 2019 113. Jahrgang

 
2019
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte - 10. Teil
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte - 9. Teil
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte - 8. Teil
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte - 7. Teil
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte - 6. Teil
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte - 5. Teil
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte - 4. Teil
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte – 3. Teil
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte – 2. Teil
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön - Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte 1. Teil
Fischerstechen am Eisteich: Viel Spass beim lustigen Spektakel
Historien-Wochenende: Kirchenburgfreunde bereiten grosses Spektakel vor
2018
2016
2015
2014
2013
2012
2011
2010
2009
1957
                                        

Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte – 3. Teil


Einladung zur Fahnenweihe 1921. (weitere Bilder)
 
Ostheim. In der Vereinsgeschichte des Liederkranz hat das Jahr 1921 einen besonders hohen Stellenwert. Aber auch für die Liedertafel war es sehr bedeutsam, vor allem im Hinblick auf das zuvor doch ziemlich angespannte Verhältnis zwischen den beiden Gesangvereinen, was auf die Umstände der Gründung des Liederkranz zurückzuführen war. Nachdem sich die beiden Männergesangvereine schon seit einiger Zeit angenähert hatten, beantragte der Liederkranz Mitte April 1921 bei der Liedertafel die Übernahme der Patenschaft. Am 28. April beschloss die Generalversammlung der Liedertafel einstimmig die Übernahme der Patenschaft für den Liederkranz.
    Das herausragende Ereignis für den Liederkranz war die Fahnenweihe in Verbindung mit einem großen Sängerfest am 11. und 12. Juni 1921. Hierüber hat der langjährige 2. Vorsitzende des Liederkranz, Armin Kirchner, in der Festschrift des Vereins zum 100-jährigen Bestehen im Jahre 2009 einen schönen Beitrag geschrieben, der auf einem Artikel in der Ostheimer Zeitung beruht. Da dieser Beitrag interessant ist und das damalige große Ereignis recht treffend wiedergibt, soll er an dieser Stelle wörtlich übernommen werden:
    „Am 11. und 12. Juni 1921 fand die Weihe (der Fahne) auf dem „Tanzberg“ statt. Wie die „Ostheimer Zeitung“ damals berichtete, hatte die Stadt Ostheim eine solch große Zahl von Besuchern in ihren Mauern noch nicht gesehen. Die Stadt zeigte sich mit schön geschmückten, reich beflaggten Häusern und Straßen ihren lieben Gästen in ihrem freundlichen Gewand. Bereits der Empfang am Samstag im „Strecks Felsenkeller“ verlief in schönster Harmonie.
    1. Vorsitzender Emmerich Unger hieß namens des Vereins und Bürgermeister Hoffmann im Namen der Stadt die Gäste herzlich willkommen. Der Begrüßungsabend soll fast zu einem „Begrüßungsmorgen“ geworden sein. Der Weckruf der Stadtkapelle am Sonntagmorgen und der Empfang von noch weiteren ankommenden Vereinen leitete den Festtag ein. Wohl an die 2000 Menschen wogten durch die Straßen der Stadt und beteiligten sich am Festgottesdienst auf dem „Tanzberg“. Im Anschluss an die Predigt von Herrn Superintendent Stüber erfolgte die Weihe der neuen Fahne. Nachdem das vom „Liederkranz“ gesungene „Weihelied“ verklungen und das Gelöbnis abge-legt worden war, überbrachte Herr Apotheker Dempwolff als 1. Vorstand des Patenvereins „Liedertafel“ die besten Glückwünsche und als Patengeschenk ein Fahnenband.
    Der Festzug am Nachmittag zum Festplatz „Tanzberg“ war ein einziges bewegtes, farbenprächtiges Bild. Der Zug war so lang, dass sich Anfang und Ende am „Weimarischen Hof“ berührten. Über 35 Vereine mit ca. 1500 Menschen, 3 Musikkapellen und 17 Fahnen nahmen daran teil. 3000 Festabzeichen wurden verkauft, was zu dieser Zeit beachtlich war. Folgende Vereine nahmen mit ihren Vorträgen am Fest teil: Liedertafel Ostheim (Patenverein), GV Sondheim/Rhön (Patenverein), Bürgerkranz Meiningen, Eisenbahn GV Thalia, MGV Berkach, GV Urspringen, Sängerlust Schweinfurt, Kirchenchor Wolfmannshausen, Liedertafel Helmershausen, GV Unterwaldbehrungen, GV Kaltenwestheim, GV Nordheim, GV Herpf, GV Untermaßfeld, GV Römhild, GV Kalten-nordheim, GV Walldorf, GV Welkershausen, GV Dreißigacker, GV Rentwertshausen, GV Mellrichstadt, GV Wiesenthal, GV Fladungen.“
    Soweit der Bericht von Armin Kirchner. Im Rahmen der Fahnenweihe wurde eine wichtige Entscheidung getroffen: Die Gründung eines gemischten Chores wurde beschlossen. Bleibt anzumerken, dass die Liedertafel mehrere Jahre ebenfalls über einen gemischten Chor verfügte. Die Lebensdauer der gemischten Chöre war damals unterschiedlich. Deshalb wird in der Vereinsgeschichte der Liedertafel zu unterschiedli-chen Zeiten von der Neugründung eines gemischten Chores berichtet. Letztendlich blieb der Männerchor der Liedertafel bis heute bestehen, während der Liederkranz seit vielen Jahren einen gemischten Chor hat.
    Am 28. August 1921 folgte der Liederkranz einer Einladung des GV „Thalia“ in Schweinfurt zu einem gelungenen Gartenfest. Die Schweinfurter bedankten sich damit für die Gastfreundschaft der Ostheimer im Rahmen der Fahnenweihe. Zu Weihnachten 1921 veranstalteten die beiden Ostheimer Gesangvereine ihre Konzerte in den jeweiligen Vereinslokalen.
    Am 5. März 1922 feierte der Liederkranz ein Trachtenfest mit dem Untertitel „Jahrmarkt in Ostheim vor 100 Jahren“. Hierzu berichtete die Ostheimer Zeitung, dass der Trachtenabend eine Menge Teilnehmer und Gäste herbeigelockt hatte. Ehrsame Bürger und Bürgerinnen in der kleidsamen Tracht früherer Zeiten kauften und verkauften die ausgestellten Gegenstände, Ausrufer priesen ihre Waren an, Bänkelsänger zogen durch die Straßen und Paare drehten sich nach den Klängen der Jahrmarktmusik. Für strengste Ordnung sorgten der Stadtpolizist und das frühere Stadtoberhaupt, weiland Herr Bürgermeister Dr. Glock (Anm. d. Verf.: Der Gründer der Ostheimer Liedertafel).
    Das Singspiel „Die Förstertöchter“ führte der Liederkranz am 7. Mai 1922 im „Streck’schen Felsenkeller“ auf (Anm.: Der Inhaber hieß Emil Streck und außerdem gab es ja noch einen zweiten Felsenkeller in Ostheim). Die Solisten waren Emil Amthor als Förster, Minna Gleichmann als Tochter Emma, Trude Hofmann als Tochter Rosa sowie Karl Schellenberger, Willy Stumpf, Willy Gunzenheimer, Alfred Genßler, Albin Genßler und Oskar Heim.
    Ein Jahr später, am 27. Mai 1923, wurde das Stück „Die Zwerge vom Hübichenstein“ aufgeführt. Der Liederkranz Zella-Mehlis beging an Pfingsten 1924 (8./9. Juni 1924) sein 25-jähriges Bestehen mit einem Preiswettsingen, an dem sich auch der Ostheimer Liederkranz mit 41 Sängern beteiligte und den 7. Preis in Form eines Pokals errang.
    Als das „Patenkind“ des Liederkranz, der Gesangverein Sondheim v. d. Rhön, vom 26. bis zum 28. Juli 1924 seine Fahnenweihe, verbunden mit einem Sängerfest und einem Ausflug zum „Schweinfurter Haus“ (28.07.1924) feierte, war der Liederkranz mit seinem Männerchor und dem gemischten Chor dabei.
    Beim 9. Deutschen Sängerbundesfest in Hannover, das vom 23. bis zum 26. August 1924 lief, waren beide Ostheimer Gesangvereine mit einer Abordnung und der Vereinsfahne vertreten. Dass diese Massenveranstaltung mit einem riesengroßen Festzug für die Ostheimer ein besonderes Erlebnis war, ist klar.
    Am 16. November 1924 führte der Liederkranz das Volksstück „Der Schmied von Ruhla“ auf. Die Spielleitung hatte Postschaffner Kaak, die Hauptrolle spielte Gustav Stadtler. Am 1. Weihnachtsfeiertag folgte ein volkstümliches Werk von Robert Schumann, der seinerzeit ein enger Freund des Liedertafelgründers Dr. Christian Glock war, mit dem Titel „Der Rose Pilgerfahrt“. Das Stück wurde am 11. Januar 1925 nochmals aufgeführt.
    Ein „Fastnachtsvergnügen“ veranstaltete der Verein am 21. Februar 1925. Der für den 1. Osterfeiertag (12. April 1925) geplante Theater-Abend mit dem Volksstück „Teure Heimat“ und „Unterm Lindenbaum“ musste wegen Erkrankung eines Mitwirkenden auf den 26. April verschoben werden.