Ostheimer Zeitung
Amtliches Veröffentlichungsorgan der Stadt
Ostheim v. d. Rhön und staatlicher Behörden
Wappen der Stadt Ostheim vor der Rhön
Die Rhön Nachrichten- und Heimatzeitung
im Biosphärenreservat Rhön
Impressum Dienstag, 15. Oktober 2019 113. Jahrgang

 
2019
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte - 10. Teil
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte - 9. Teil
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte - 8. Teil
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte - 7. Teil
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte - 6. Teil
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte - 5. Teil
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte - 4. Teil
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte – 3. Teil
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte – 2. Teil
Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön - Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte 1. Teil
Fischerstechen am Eisteich: Viel Spass beim lustigen Spektakel
Historien-Wochenende: Kirchenburgfreunde bereiten grosses Spektakel vor
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Erhard Baumbach: 110 Jahre Liederkranz Ostheim v. d. Rhön Ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte - 5. Teil


Zur Rückkehr der Ostheimer Glocken singt der Liederkranz (1946) - Dirgent ist Hubert Heintz. (weitere Bilder)
 
Ostheim. Auch zu Beginn der 1930er Jahre fanden die Veranstaltungen der beiden Ostheimer Gesangvereine mit Konzerten, Bällen, Theateraufführungen usw. in gewohnter Weise statt und erfreuten sich unter dem dankbaren Publikum großer Beliebtheit. Und immer wieder begegneten sich die Chöre der Vereine bei den Veranstaltungen in und um Ostheim auf der Bühne. Aus heutiger Sicht kann man beiden Vereinen mit ihren starken Chören (Liedertafel damals über 70 Sänger, Liederkranz über 60 Sänger) für ihr außerordentliches Engagement, für die Vielzahl hochwertiger kultureller, aber auch geselliger Veranstaltungen, nur Anerkennung, Respekt und Bewunderung zollen, zumal die Zeiten nicht rosig waren und im ganzen Land große Armut herrschte. Vielleicht war gerade diese Tatsache der Hauptgrund, dass man nicht nur für jede Abwechslung im Alltag dankbar war, sondern dass auch der Zusammenhalt unter den Einwohnern besonders groß war.
    Das Gedicht von Karl Schellenberger, das als Einladung zum Maskenball am 14. Februar 1932 in der Ostheimer Zeitung abgedruckt wurde, spiegelt auch ein wenig die damalige Zeit wieder und sollte deshalb seinen Platz in dieser Ausgabe finden.
    Beim XI. Deutschen Sängerbundesfest in Frankfurt am Main, bei dem die Ostheimer Liedertafel mit 20 Sängern vertreten war, durfte selbstverständlich auch der Ostheimer Liederkranz nicht fehlen. Bei diesem herausragenden Sänger-Festival traten in der Main-Metropole 35.000 Sänger auf. Insgesamt waren 60.000 Menschen aus allen deutschen Regionen gekommen.
    Für das Jahr 1933 ist zu erwähnen, dass der bisherige 1. Vorsitzende Emmerich Unger sein Amt an seinen Nachfolger Karl Schellenberger übergab.
    Das Jahr 1934 stand ganz im Zeichen des 25-jährigen Vereinsjubiläums. Es begann mit einem Maskenball im Januar und wurde mit einem Gesangs-Konzert am 1. Osterfeiertag fortgesetzt. Am Nationalfeiertag, dem 1. Mai, war der Liederkranz (wie die Liedertafel und andere örtliche Vereine) am Festzug beteiligt. Beide Vereine gestalteten die Feier auf dem Tanzberg mit. Den krönenden Abschluss des Jubiläumsjahres bildete die Aufführung des Werkes „Das Lied von der Glocke“ von Friedrich Schiller am 1. Weihnachtsfeiertag 1934.
    Doch der Höhepunkt des Jahres war freilich die Feier des 25-jährigen Vereinsjubiläums am 14. und 15. Juli 1934. Im Rahmen des Festes erhielten Oberlehrer August Träger und Louis Genßler den Ehrenbrief des Deutschen Sängerbundes für ihre 50-jährige Sängertätigkeit. Christian Gleichmann bekam die Rinkens-Plakette des Sängergaues 19 (Thüringen) für seine 25-jährige Tätigkeit als Vereinskassierer. Die Gründungsmitglieder August Träger, Max Sülzner, Christian Gleichmann, Albin Gleichmann, Pantalon Storath, Emil Sternberger, Emmerich Unger, Karl Sporck, Willy Stumpf, Albin Hartmann, Louis Schmidt, Louis Klee, Louis Leyh, Albert Ziegler, Louis Genßler, Wilhelm Stadtler, Karl Schellenberger und Gustav Trabert erhielten ein Diplom. Ein Diplom bekam auch Ida Hartmann für 25-jährige Sängertätigkeit im gemischten Chor. Schulleiter Albin Weißenseel überreichte im Namen des Patenvereins Liedertafel einen Fahnennagel. Die Chöre des Jubelvereins, des Patenvereins und des Gesangvereins Rentwertshausen umrahmten zusammen mit dem Musiktrupp Ostheim trefflich die Jubelfeier.
    In einem Bericht der Ostheimer Zeitung über die Jahresversammlung vom 16. Februar 1938 ist zu lesen, dass Vereinsführer (Bezeichnung der 1. Vors. von Vereinen im 3. Reich) zu dieser Zeit und bis Kriegsende Louis Hoßfeld war und dass die neuen Statuten ohne Einwand angenommen wurden. August Träger, inzwischen zum Ehrenchorleiter ernannt, leitete weiterhin die Aktiven des Liederkranz und aushilfsweise auch die der Liedertafel.
    Am 1. Osterfeiertag 1938 veranstaltete der Liederkranz ein öffentliches Gesangs- und Instrumentalkonzert mit nachfolgendem Tanzvergnügen. Eine Sängerfahrt durch den Thüringer Wald hatte man am 7. August 1938 durchgeführt. Dabei hatten die Sängerinnen und Sänger auf dem Marktplatz von Suhl, auf der „Schmücke“ (Anm. d. Verf.: Höchstgelegene Ansiedlung am Rennsteig im Thür. Wald) und am Trusetaler Wasserfall ihre Stimmen erklingen lassen und ernteten von den Zuhörern reichlich Applaus. Das Vereinsjahr wurde mit einem Theaterstück und anschließendem Tanz beendet.
    Die letzten „normalen“ Vereinsveranstaltungen vor Ausbruch des 2. Weltkriegs waren der Maskenball am 5. Februar 1939 und das „Vereins-Vergnügen“ am 1. Juli 1939, das mit der Feier des 30-jährigen Bestehens verbunden wurde. Am 1. September 1939 begann der schreckliche 2. Weltkrieg.
    Dass während des Krieges keine fröhlichen Veranstaltungen, keine Konzerte, Bälle, Faschingsvergnügen und dergleichen abgehalten wurden, versteht sich von selbst.
    Auch der Bruderverein „Liedertafel“ beschränkte sich in dieser schlimmen Zeit auf einige wenige Benefizkonzerte.
    Bei der Jahresmitgliederversammlung des Liederkranz am 25. Januar 1941 gedachte man der gefallenen und verstorbenen Kameraden und wünschte den „im Felde stehenden Feldgrauen“ alles Gute. Am 8. März lud der Verein seine Mitglieder zu einem Liederabend ein, zu dem Ehrenchorleiter Träger der Zeit entsprechendes Liedgut ausgewählt hatte. Am 8. November 1941 hielten die Chorleiter August Träger und Max Beister, der vorübergehend aus der Wehrmacht entlassen worden war, eine gemeinsame Probe von Liederkranz und Liedertafel ab, weil viele Aktive beider Vereine im Kriegseinsatz waren.
    Die Jahresmitgliederversammlung 1942 fand am 21. März statt.
    Am 8. Mai 1945 endete der 2. Weltkrieg in Deutschland. Die Aliierten hatten das Land besetzt, in Ostheim hatten sich die Amerikaner einquartiert, u. a. im Vereinslokal der Liedertafel, der „Erholung“. Die örtlichen Vereine wurden verboten. Doch wie schrieb Armin Kirchner in der Festschrift von 2009: „Aber bereits 1946 ging es mit großem Elan an die Wiederbelebung des Liederkranz. Herr Albin Hartmann stellte sich als 1. Vorsitzender zur Verfügung. Nach einer relativ kurzen Anlaufzeit hatten die beiden Chöre (des Liederkranz) eine beachtliche Stärke an Sängern und Sängerinnen. Der Männerchor konnte ca. 70 Stimmen und der gemischte Chor 50 Stimmen auf sich vereinen.
    Als die Glocken der evangelischen Kirche 1946 nach Ostheim zurückkehrten, wurden diese am Rathaus vom Männerchor musikalisch begrüßt. Die Operettenaufführungen „Herzenskönigin“ (Weihnachten 1947) und „Winzerliesel“ (1949) unter Mitwirkung des Männer- und Gemischten Chores (Ltg. A. Träger und H. Heintz) waren Höhepunkte in dieser Zeit. 1948 gab auch der langjährige verdienstvolle Chorleiter Träger im 78. Lebensjahr seinen Dirigentenstab in die Hände des erst 22-jährigen Hubert Heintz.“ Soweit der Bericht von Armin Kirchner.
    Als der Verein am 13. März 1949 im Felsenkeller ein Gesangs-Konzert unter dem Motto „Jahreszeiten im Lied“ veranstaltete, waren Männerchor, gemischter Chor, Doppelquartett, Sopran-Soli und die Kapelle Lueg zu hören. Das 40-jährige Bestehen des Vereins feierte man mit einem Sän-gerfest am 19. und 20. Juni 1949 unter Mitwirkung des Patenvereins „Liedertafel“. Dabei wurde auch das Foto mit den Vereinsgründern, das im 1. Teil dieser Serie zu sehen ist, aufgenommen. Zu dieser Zeit trat der Liederkranz dem Fränkischen Sängerbund (FSB) bei. Beim Sängerfest des Liederkranz am 11. Juni 1950 und auch beim Volksliederabend am 9. September 1950 wirkte die Liedertafel mit.